Ob Schöpfung, Künstliche Intelligenz und der Homo Creator oder aber ein Sufi, der sein Leben vertrauensvoll in Gottes Hände legt, ein moderierter Denk-Brunch oder eine interreligiöse Zugfahrt zu Bestattungsorten unterschiedlicher Religionen: Die Woche der Religionen vom 2.–10. November 2024 ermöglicht überraschende Begegnungen. Über 30 Teams in der ganzen Schweiz mit Mitwirkenden aus acht Religionen stehen hinter dem Programm und laden an rund 100 Veranstaltungen zum Austausch ein: Begegnung und gemeinsame Erlebnisse sollen gegenseitigen Respekt und tragfähige Partnerschaften bauen – für ein friedliches Zusammenleben in der Schweiz.
Zum Programm der Woche der Religionen 2024

Foto: IRAS COTIS/Katja Joho
Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Die Zugehörigkeit zu Kirchen und Religionsgemeinschaften nimmt ab und damit verbunden auch das Verständnis für religiöse Personen. Im Gegenzug wächst die gesellschaftliche und religiöse Vielfalt und mit ihr auch Ängste vor dem «anderen». Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus haben in der Schweiz massiv zugenommen seit der Eskalation im Nahen Osten.
Während der «Woche der Religionen» begegnen religiöse und säkulare Menschen Personen mit einem anderen religiösen Hintergrund. Religionsgemeinschaften gelangen durch ihre aktive Teilnahme auf unkomplizierte Weise in den Austausch mit Aussenstehenden. Schwierige Themen wie Konflikte oder Tod werden aufgenommen und Unterschiede sowie Verbindendes offen diskutiert. Ziel der «Woche der Religionen» ist es, gegenseitiges Verständnis zu schaffen, Vorurteile abzubauen und so zu einem friedlichen Zusammenleben in der Schweiz beizutragen.
Frieden als wertvolles Gut
Entsprechend nehmen Veranstaltungen zu Konflikt und Frieden einen wichtigen Platz im Programm ein: bei Friedensfeiern und -gebeten in Luzern und Olten oder auch in Basel, wo Jugendliche bei einer interreligiösen Andacht dem Frieden bei Rezitationen, Musik und Stille Raum geben.
Im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten kommt in Luzern und Kreuzlingen die Frage auf: Was bewegt Menschen trotz erlebter Ungerechtigkeit dazu, sich für den Frieden einzusetzen? Können die Religionen noch von Frieden sprechen, wird in Lausanne diskutiert, und kann man Frieden trainieren? Ein Podium in Basel geht der Frage nach, was wir gemeinsam gegen zunehmenden Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus unternehmen können.
Slam Poetry, ein Lagerfeuer und KI
Die Nacht der Religionen in Bern lauscht verschiedenen Stimmen: Bei Slampoetry und einem Jugendchor, in einer «lebendigen Bibliothek», am Lagerfeuer mit HipHop-Elementen und Schlangenbrot und bei Gebeten und Musik aus sechs Religionen. In Nidwalden dreht sich die Woche der Religionen um KI und Schöpfung: Während in allen Mythen die Schöpfung ein Akt göttlicher Kraft und Weisheit ist, greift die Menschheit schöpferisch und zerstörerisch zugleich in die Entwicklung der Welt ein – dank Künstlicher Intelligenz nun auch als Homo Creator. In Solothurn steht die Frage im Zentrum, ob Religion Wegweiser oder Irrweg sei: Was macht (meinen) Glauben aus? Wohin führt die persönliche Glaubensreise?
Besuch, Begegnung, Gebet
Die Woche der Religionen ermöglicht auch in diesem Jahr, in religiöse Praxis einzutauchen und sich dabei über die Religionen hinweg auszutauschen, so in Baden, wo das Gebet über Religionsgrenzen hinaus mit allen Sinnen wahrgenommen werden kann, und in Zug, wo erfahrbar wird, wie Sufis sich vertrauensvoll in Gottes Hände legen.
Offene Moscheen im Kanton Aargau, ein Islam-Marktplatz in Basel und «Espace mouslima» in Fribourg laden zu Kennenlernen, Erleben und Austausch mit Schweizer Musliminnen und Muslimen ein. In der Synagoge in Luzern zeigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde, wie sie leben, was sie beschäftigt und in ihrem Glaubensalltag bewegt. Und in Zürich ermöglicht eine jüdisch-christlich-muslimische Feier mit koscherem Apéro zur Begegnung.
Begegnung und Nachdenken bei einem gemeinsamen Essen mit Menschen aus unterschiedlichen Religionsgemeinschaften hat Tradition während der Woche der Religionen: In diesem Jahr lädt in Luzern «Was IsSt Religion» zu Köstlichkeiten ein, begleitet von Kurzfilmen von Schüler:innen der Kantonsschule, während in Abtwil ein Denk-Brunch zum Austausch über «Empathie und Solidarität in den Religionen» stattfindet und in Zürich Rabbiner Noam Hertig beim koscheren Kochen unter anderem in die wichtigsten Speiseregeln im Judentum einführt.
Wirkmächtige Frauen
Frauen stehen an verschiedenen Orten im Rampenlicht: Bedeutende Denkerinnen und die Grundzüge ihrer Religionsphilosophien werden in Basel vorgestellt und ein muslimisch-christlicher Frauenabend unter dem Titel «Friede beginnt in mir» steht in Luzern auf dem Programm. Ist Gott auch weiblich? In Winterthur erfahren Besucher:innen mehr über feminine Aspekte des Göttlichen und ihre zentrale Bedeutung in der hinduistischen Philosophie. Frauen in den Religionen haben in Zürich ein temporäres Monument: den «Katharinen-Turm». Vier Frauen sprechen über wirkmächtige Frauen in ihren Religionstraditionen und erläutern, wie sie das Gespräch über frauenspezifische Themen in ihrer Tradition erleben.
Gemeinsam unterwegs
Die Woche der Religionen ist auch in diesem Jahr wieder auf Achse: Spaziergänge entdecken den neuen Religionsgarten in Aarburg und die interreligiösen Wurzeln im anthroposophischen Dornach. Eine interreligiöse Zugfahrt mit der Rhätischen Bahn führt zu Bestattungsritualen auf dem Waldfriedhof in Davos, dem daneben liegenden jüdischen Friedhof und anschliessend nach Chur, wo das erste muslimische Grabfeld des Kantons Graubünden in Planung ist. Tod und Jenseitsvorstellungen kommen auch in Lausanne zur Sprache im Rahmen des Festivals zu Allerheiligen. Und in Luzern besucht eine Führung den Friedhof Friedental, wo christliche, muslimische und jüdische Bestattungen möglich sind, sowie zum Bestattungsort der Hindus an der Reuss.
Auch die Religionslandschaft der Schweiz ist unterwegs durch Umbrüche und Veränderungen: Die Kirchen verlieren massiv an Mitgliedern, zugleich besteht ein grosses Interesse an Spiritualität bei einer zunehmenden Vielfalt an Religionen. In Luzern, Solothurn und Lausanne gehen Veranstaltungen diesen Umwälzungen in der Schweizer Gesellschaft nach.
Miteinander statt übereinander sprechen
Die «Woche der Religionen» ist breit abgestützt: Rund 20 regionale Teams mit Mitwirkenden aus bis zu acht Religionen stehen hinter dem Programm. Mit ihren Angeboten schaffen sie den Rahmen, damit Menschen aus unterschiedlichen Religionen und Lebenswelten miteinander statt übereinander sprechen. Gemeinsam organisieren sie ein buntes Programm und treten als starke Partner auf. Die Vorbereitungen in gemischtreligiösen Teams verbinden, stärken alle Partner und haben Modellcharakter. Sie dienen so dem Kerngedanken der «Woche der Religionen»: Begegnung und gemeinsame Erlebnisse schaffen gegenseitigen Respekt und tragfähige Partnerschaften – für ein friedliches Zusammenleben in der Schweiz.
Gemeinsam organisieren sie ein buntes Programm und treten als starke Partner auf. Die Vorbereitungen in gemischtreligiösen Teams verbinden, stärken alle Partner und haben Modellcharakter. Sie dienen so dem Kerngedanken der «Woche der Religionen»: Begegnung und gemeinsame Erlebnisse schaffen gegenseitigen Respekt und tragfähige Partnerschaften – für ein friedliches Zusammenleben in der Schweiz.
